Zum Abschluss der Saison richtet sich der Blick auf Brett Dean, einen Komponisten, der das heutige Schreiben für Streicher und die Auseinandersetzung mit der Tradition auf besondere Weise verbindet.
Den Anfang macht Intimate Decisions für Viola solo. Das kurze Stück wirkt wie ein konzentrierter Monolog: nah, suchend, ganz auf den einzelnen Klang und seine Verwandlungen fokussiert. Schon hier zeigt sich ein kompositorisches Denken, das aus kleinsten Gesten Spannung entwickelt.
Mit der Bearbeitung des dritten Satzes aus Beethovens Streichquartett op. 59 Nr. 1 tritt diese Auseinandersetzung mit der Tradition offen hervor. Dean überträgt die Quartettmusik auf grösseren Streicherklang, ohne ihren inneren Antrieb zu glätten. Beethoven bleibt erkennbar, erscheint aber in neuer Perspektive.
Deans Short Stories. Five Interludes for String Orchestra führen diesen Gedanken weiter. Jedes dieser fünf Stücke hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Bewegung, seine eigene klangliche Situation. Zusammen ergeben sie kein geschlossenes Narrativ, sondern eine Folge von Momenten, in denen sich das Streichorchester immer wieder anders zeigt.Zum Abschluss steht Beethovens Viertes Klavierkonzert in einer Fassung für Klavier und Streicher. Gerade in dieser reduzierten Besetzung tritt die Feinheit dieses Werks besonders deutlich hervor. Der Dialog zwischen Soloinstrument und Ensemble wirkt unmittelbarer, durchlässiger, kammermusikalischer. So erscheint eines der grossen Klavierkonzerte Beethovens nicht als monumentaler Schlussstein, sondern als Musik von grosser innerer Beweglichkeit.